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Bevor wir 1990 auf den Saalhof zogen haben wir in der Ziegelscheuer gelebt.

 

 

 

 

 

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Die Ziegelscheuer zu Laufen

 

Wer das Städtchen Laufen in Richtung Delsberg verlässt, gewahrt bei "St. Jakob", rechter Hand am Ufer der Birs gelegen, eine malerische Gruppe von alten Häusern, Scheunen, Schuppen und Dachgiebeln zusammenstehen, als ob sie aus einem Würfelbecher hingeworfen worden wären.

Diese Häusergruppe heisst im Volksmund "Ziegelscheuner". Die hohen Giebel, schwarzen Dächer, spitzwinkligen Anbauten und die kleinen unregelmässig verteilten Fenster, alles das vereinnigt sich zu einem malerischen Bild, das sich namentlich im Sommer gut in die Landschaft fügt. Das Hauptgebäude dieser Ziegelscheuer mit dem angebauten Türmchen diente in alten Zeiten als fürstbischöfliches Forst- und Jägerhaus und war von der Familie Götschi oder Goetschy bewohnt. Diese Familie entstammte einem alteingesessenen Stadtburgergeschlecht von Laufen, das als Förster und Jäger seit urdenlichen Zeiten das Haus mit Rechten und Gerechtigkeiten als Erblehnen besass.

Von alter Zeiten Harrlichkeit und Not erzählte einst das Wappen der Götschi, das vor Jahren an der Westseite des Hauses noch zu sehen war. Der Zahn der Zeit und die Witterung haben es verdorben.

Es war im Jahre 1647, als der für das Fürstbistum Basel äusserst verderbliche Schwedenkrieg zu Ende ging. Viele Dörfer des Fürstbistums waren infolge Krieg, Hungersnot und Pest ausgestorben, nur das Raubwild in den Wäldern, die Bären und Wölfe, deren es dazumal bei uns noch viele gab, vermehrten sich, sodass der Verkehr besonders im Winter gefährlich wurde.

Einst wurde, so wird berichtet, der Fürstbischof Beat Albrecht von Ramstein (1646-51) auf der Jagt im Stürmen von einem wütenden Wolf angefallen, und er wäre demselben wohl erlegen, wenn ihn nicht sein treuer Förster Johann Götschi mittels eines Musketenschusses aus der Gefahr gerettet hätte. Als Lohn dafür befreite ihn der Fürstbischof von aller Hörigkeit, verlieh ihm das Recht eines freien Mannes, Stock und Degen zu tragen, sowie ein Familienwappen. Des weiteren erhielt Johann Götschi das Recht auf einen eigenen Platz in der Kirche und das Forsthaus als Eigentum. Noch manches könnte uns das Wappen vom alten Forsthause erzählen, von den schweren Drangsalen des Dreissigjährigen Krieges, von Pest und Hungersnöten, vom Aufruhr der Rebellen unter Petignat und Tschäni (1730-1740), von den schweren Zeiten während der französischen Revolution, von Kaiser Napoléon I. und dem Durchmarsch der Alliierten Mächte in den Jahren 1813/1815. Auch später als im alten Forsthause, das will sagen, in den anebauten Gebäulichkeiten Ziegel gemacht wurden (deshalb der Name Ziegelscheuer) könnte noch manches erzählt werden.

Letzte unmittelbare Beziehungen zum Geschlecht der Götschi in der Ziegelscheuer hatte 1956 verstorbene alt Grossrat Wilhelm Imhof, der mit einer Tochter aus dem Geschlecht der Götschi verheiratet war und den Hof bewirtschaftete, bis er an seinen Sohn Adolf Imhof-Meyer überging.

Quelle:
Brauchtum, Sagen, Legenden, Spuk- und Geistergeschichten im Laufental,
gesammelt von Léon Segginger, Kustos des Heimatmuseum Laufen,
Herausgegeben durch die Einwohnergemeinde Laufen, 2. Auflage 1989